Babara beim 43ten Syltlauf

Kommst du wieder mit nach Sylt? Ich zögerte nicht lange und war schnell zum 2. Mal beim Syltlauf angemeldet: Am 15. März fand der Syltlauf zum 43. Mal statt mit einer Strecke von 34,5 Kilometern von List im Norden der Insel nach Hörnum im Süden.

Am Freitag ging es um 06:09 von München aus mit dem Zug nach Hamburg-Herdecke, wo wir ein Auto mieteten. Dann ging es weiter über den Elbtunnel zum Autozug, der uns nach Sylt brachte.

Sonntag Morgen nahmen wir von unserem Ferienhäuschen aus um 09:00 Uhr den öffentlichen Bus zum Startplatz bei der Jugendherberge in List. Anders als im letzten Jahr sollte es diesmal den ganzen Tag Sonnenschein geben mit einer mäßigen Brise von weniger als 30km/h Gegenwind. Countdown war um 10:00 Uhr, 3, 2 1. los. Wir ca. 750 Läufer*innen, welche anders als die etwa genauso vielen Staffelläufer*innen die ganze Strecke vor sich hatten, liefen auf einem breiten Betonweg bergab und bergauf durch die weiten, zu der Jahreszeit noch mit braunem Heidekraut bewachsenen Dünen, vorbei am „Langen Christian“, einem schwarz-weiß bemaltem Leuchtturm und dem Dorfweiher bis zur Strandpromenade, der „Musikmuschel“ bei 18 Kilomenter. Dort war ein Tor aufgestellt. Da ich zu dem Zeitpunkt als Einzige dort ankam, wurde ich angekündigt mit meinem vollen Namen und unserem langen und, norddeutsch ausgesprochen, noch längeren Gemeindenamen „Hööhenkirchen-Siiiegertsbrunn“, was mich sehr motivierte für die zweite Hälfte des Laufs. Bei der Musikmuschel wollte ich eventuell abbrechen, aber mit der Ankündigung meines Namens und unserer Gemeinde war dieser Wunsch passé, und ich machte mich bereit für die zweite Hälfte des Laufs.

Ich wusste vom letzten Jahr, dass es ab jetzt hart würde für mich. Die Ismaninger Winterlaufserie meine einzige Vorbereitung, kein Kraftraining, kein längerer Lauf als ein Halbmarathon. Und wie es dann eben so ist, bekam ich Krämpfe; am Knie fühlte es sich plötzlich so an wie beim Zahnarzt, wenn er auf einen Nerv trifft. Da gab es nur eins: zwischendurch gehen statt laufen, kurz mobilisieren und weiter. In der zweiten Hälfte haben mir die Zuschauer*innen gutgetan. Ich erinnere mich an eine phlegmatisch aussehende Oma, die auf einem Stuhl saß. Ich lächelte sie an, und da lächelte sie plötzlich zurück. Oder ein Kind das mich anfeuerte. Als ich mich bedankte, wirkte es schüchtern und überrascht. Es gab viele Kinder, die anfeuerten. Und dann war da noch was: die Mini-Dickmanns bei den Verpflegungsstationen. Ich hatte mir Gummibärchen als Proviant mitgenommen, aber die Kombination von Gummibärchen mit Mini-Dickmanns, das gab Power. Die brauchte ich für die Strecke, welche gefühlt ewig an einer Straße entlang ging. Endlich durfte ich die Straße überqueren, um wieder in den Dünen zu laufen, diesmal sogar auf einem Feldweg statt auf Asphalt. Dieser Teil der Strecke gefällt mir jedes Mal sehr gut, auch wenn es körperlich dort immer schon eine Quälerei ist, und von dort aus sind es noch 8-9 Kilometer bis zum Ziel. Auf diesem Feldweg bin ich viel gegangen statt gelaufen, so wie es viele machten und mir vernünftig erschien. Als ich mal wieder lief, rief mir ein Mitläufer zu „Super!“. Kurz vor Schluss, als ich wieder mal ging, wurde ich von einer Dame motiviert, die mich ansprach, ob sie mich begleiten dürfe, aber laufend, nicht gehend, bis zum Eck, an dem ich das Ziel sehen würde. Das nahm ich dankend an und so war das Ziel nicht mehr weit. Dort erwarteten mich bereits zwei bekannte Gesichter; „gut gemacht“ wurde mir zugerufen, und ein kleines Mädchen hing mir die Strandkorb-Medaille um und gratulierte mir zum erfolgreichen Lauf. So nett wurde ich selten im Ziel empfangen. Vielleicht werde ich nächstes Jahr wieder mit dabei sein.

- Babara